Brot
- Werler Kötte
- 15. März
- 3 Min. Lesezeit
Der Mensch muss was essen; also ab und zu sollte er schon irgendeine Form von Nahrung aufnehmen, sonst ist der Ofen irgendwann aus. Die deutsche Küche hat für jeden Geschmack eine ausgewählte Auswahl feinster Gerichte im Angebot, die dem Gaumen schmeicheln und den Weiterbetrieb des Körpers gewährleisten. Doch es muss nicht immer das Dreigänge-Menü in der Frittenschmiede sein, weil einfach manchmal einfach einfacher ist. Deshalb gibt es bei uns Brot, und zwar das Beste der Welt. So bescheiden darf man ruhig sein.
Ich vermisse Dich
Wenn ein Teutone auf Reisen ist, wird ein Satz zwangsläufig in einer Variation ausgesprochen werden. „Echt schön hier, aber das Brot schmeckt wie Arsch.“ „Die Leute hier sind arm, aber nett. Nur können die kein Brot backen.“ „Gerlinde, was soll das hier sein? Baguette? Damit kannste höchstens Wände dämmen.“ Brot ist für uns mehr als ein Grundnahrungsmittel, das wir uns in die Kauleiste schieben, um nicht zu verhungern. Brot ist gebackene Poesie, Liebe, es sättigt, lässt sich mit kleingeschibbelten Tieren belegen und duftet besser als jedes Parfömm

Einmal das oben rechts in der linken Mitte, bitte
Backen ist in Deutschland eine Handwerkskunst, die wir tagtäglich würdigen. Wie bekannt sein dürfte, ist das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages. An der morgendlichen Tafel rüsten wir Seele und Leib für die Anforderungen, die vor der Haustür auf uns lauern. Damit dies gelingt, befindet sich in fast jedem Kaff eine Bäckerei, in der die muskulösen Fachkräfte in den Nachtstunden verschiedene Teige herstellen. Feinstes Mehl, Körner, Dinkelgedöns, Hefe, filtriertes Wasser, Prisen von Salz, ätherische Öle, Geheimzutaten, Malz und weitere naturbelassene Köstlichkeiten werden vermischt und per Hand in Form geprügelt.
Anschließend backen die wohlduftenden Laibe in gigantischen Öfen bis zur perfekten Bräunung.
Deutsche Bäckereien sind Wohlfühlorte, in denen allen Sinnen geschmeichelt wird. Man durchschreitet die (in der Regel) gläserne Pforte und direkt weht einem der aromatische Duft in die haarigen Nasenlöcher. In der Auslage liegt Bauernbrot, Kürbiskernbrot, Fitnessbrot, Weißbrot, Sauerteigspezialbrot und was weiß ich alles. Wir haben mehr Brotsorten als es Knarren in den USA gibt.
Weitere Leckereien sind in handgeflochtenen Körben gebettet. Croissants, Brötchen, auf die Körner geworfen wurden, Laugenbrezel, mit Käse überbackene Brötchen, Donuts und vieles mehr, doch hier geht es ja um das gute Brot.
An der Theke wird bestellt. Man sagt nicht, was man möchte, sondern wo es sich befindet. Ich hätte gerne das Runde, da hinten links. Einmal das kleine Dreieckige da oben. Bitte geschnitten. Die Verkäuferin (ja, es sind meist nette Damen) hievt den sättigenden Laib vom Regal und wuchtet das Teil in die Schneidemaschine, die findige Ingenieure erdacht haben. Es rattert kurz und zack wird das in präzische Scheiben gesäbelte Stück Lebensfreude über den Tresen gereicht.
Brot, der treue Freund
Brot ist unsere Allzweckwaffe. Bereits die Blagen werden mit prall gefüllten „Dosen“ in die Schule geschickt. Auf dem Schulhof handeln die Kleinen dann mit ihren Leckereien und lernen nebenher das kleine Einmaleins der Marktwirtschaft. Kevin tauscht sein Weißbrot mit Butter und Nusspli gegen das Bauernbrot mit grober Mettwurst von Jason. Diana muss mit Rohkost auskommen und findet keinen Tauschpartner. Nicht schlimm, der Jens hat immer eine üppige Portion dabei und teilt selbstlos die Körnerbrotscheiben, auf deren Margarinenbett Salami und Käse gelegt wurden.
Freunde kommen und gehen. Der Arbeitgeber setzt einen vor die Tür, damit die Gehaltserhöhung des Vorstandes bezahlt werden kann, der Gatte treibt es einstweilen mit der besten bzw. ehemals besten Freundin. Wie gewonnen, so zerronnen. Einzig Brot bleibt die Konstante. Zeit unseres Lebens können wir uns darauf verlassen, dass uns das von Meisterhand gefertigte Sättigungsmittel nicht enttäuschen, uns nie im Stich lassen wird.
Während der Ausbildung kann man sich die überteuerte Pizza vom Stammitaliener des Betriebs nicht leisten, weshalb man auf Bewährtes zurückgreift. Die Kunststoffdose mit Spongebobaufdruck hat uns schließlich schon durch das Studium begleitet. Auch auf dem Bau, im Handwerk oder im Pausenraum des Supermarktes fischen die Bediensteten und Malocher ihre zusammengebauten, bestrichenen und belegten Backwaren aus kunterbunten Behältnissen, um sie sich anschließend schmatzend einzuverleiben.
Brot geht immer
Brot funktioniert ähnlich wie Bier. Man kann es sich jederzeit gönnen. Morgens beim Frühstück, in der wohlverdienten Mittagspause oder eben abends (heißt ja auch Abendbrot), wenn man den Widrigkeiten des Tages erfolgreich getrotzt hat und nicht mehr die Nerven besitzt, um ein aufwendiges Menü in der Mikrowelle zuzubereiten. Da hilft Brot, denn es ist einfach in der Anwendung, die Bandbreite der Möglichkeiten wird lediglich durch die Grenzen der Phantasie ähm begrenzt und es ist einfach lecker. Jedenfalls, wenn man sich gutes deutsches Brot in dicken Scheiben auf den Tellern legt und nicht zu Knäckebrot oder anderen Ersatzprodukten greift, die den Namen Brot eigentlich nicht tragen dürften. Lasst es euch schmecken.
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